Mira Lobe ist schuld - all i need. EN
Mira Lobe ist schuld Wer bin ich? Und wer will ich sein?
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Die österreichische Schriftstellerin Daniela Emminger (zuletzt mit „Schwund“, 2014 und „Die Vergebung muss noch warten, 2015 in den Regalen) macht sich ab sofort für all i need Gedanken darüber, was im Leben wirklich wichtig ist.

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Mira Lobe ist schuld.

Also daran, dass ich mich schon von Kindheitsbeinen an frage, wer ich bin und wer ich sein möchte. Lässt einfach ein unbekümmertes, kariertes Etwas über die bunte Blumenwiese spazieren und sich an der Welt erfreuen, als ob das so einfach wäre. Das ist es nicht. Die Welt ist voll von Glotz-Fischen, Mecker-Kühen und Nilpferd-Tramplern, die einen beäugen, bewerten, aus der Ruhe bringen, klein und unsicher machen. Einfach, weil man anders ist als sie, in keine gängige Schublade passt oder sich selbst vielleicht einfach noch nicht fertig definiert hat. „Nanu? Wer bist denn Du?“ heißt es da, und „Wer nicht weiß, wie er heißt, wer vergisst, wer er ist, der ist dumm! Bumm.“

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Ich bin schon über viele Wiesen marschiert und nicht auf allen sind bunte Blumen gewachsen. Im Gegenteil. Da gab es Londoner Unkrautmeilen und Berliner Mauern und kirgisische Steppenwüsten und litauische Kampfzonen. Zeiten, in denen ich noch eine andere war, eine Schwindelfriseuse beispielsweise, eine Werbetexterin, Marketingchefin, Köchin, Sachensucherin, Zirkusdompteurin und manchmal auch einfach ein koordinatenloser Satellit.

Das kann einem schon Angst machen mitunter. Muss es aber nicht. Denn „Gehen“ (im Sinne von Weiterkommen) ist „ein ständiges zwischen allen Möglichkeiten eines menschlichen Kopfes Denken und zwischen allen Möglichkeiten eines menschlichen Hirns empfinden und zwischen allen Möglichkeiten eines menschlichen Charakters hin- und hergezogen werden.“ Und da sind, frei nach Thomas Bernhard, Rückschritte, Kreistänze, Luftsprünge und der ein oder andere Stolperer quasi vorprogrammiert.

Ich bin immer noch nicht fertig mit dem Suchen und Finden und Ausloten von Begrifflichkeiten, die zu mir passen, wechsle sie beinahe täglich mit den Unterhosen, lege sie ab wie zu klein gewordene Kinderpyjamas, tausche sie ein gegen ein Paar neue Schuhe, weil die alten drücken, weil die Veränderung unaufhaltsam nach neuen Hüllen schreit, einen größer und kleiner werden lässt, dicker und dünner, in alle Richtungen wachsen und eines Tages vielleicht auch über sich hinaus.

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Wer mag, kann mit. Und ab sofort gemeinsam mit mir gedanklich und tatsächlich Achterbahn fahren, Weisheiten mit dem Löffel fressen, Liebe verbreiten, Berggipfel bezwingen, Offline-Tage im Kloster verbringen, über die Genealogie der Moral nachdenken, Glück in Wien tanken (beim nächsten Mal!), sich den Alltag um die kleinen Ich-bin-Ich-Ohren schlagen, demnächst ins wilde Kirgistan reisen und sich überlegen, was es wirklich braucht im Leben. Ich persönlich glaube nicht allzu viel. Für heute würde ich sagen: sich selber mögen. Mit allen Ecken und Kanten, bunten Ponyfransen und karierten Stoffzipfeln. Dann sagt auch niemand mehr: „Nanu?“ sondern einfach „Du bist Du!“

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Ich bin Daniela Emminger und hauptberuflich in der Identitätskrise und auf Antwortsuche. Wer, wie, was bist Du? Schreib uns, warum du ok bist, wie du bist. Der schönste Beitrag (in Wort und/oder Bild) wird gepostet und dieses Mal mit dem Kinderbuchklassiker „Das kleine Ich bin Ich“ von Mira Lobe belohnt. Ecken und Kanten sind all i (we) need.

daniela.emminger@allineed.at oder office@allineed.at

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