Eat Drink Man Woman - all i need. Deutschland
Eat Drink Man Woman Wir sind, was wir essen. Oder: Koch dir dein eigenes Süppchen!
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Als ich den Film „Eat Drink Man Woman“ von Ang Lee aus dem Jahr 1994 zum ersten Mal gesehen habe, war es augenblicklich um mich geschehen. Die ausdrucksstarken Bilder rund um Meisterkoch Zhu und seine Taiwan-Küche haben bei mir innerlich ein Feuer entflammt und mich zum lustvollen Kochlöffel-Schwingen und kulinarischen Herum-Experimentieren gebracht. Sogar eine außerordentliche Kochlehre habe ich damals nebenberuflich nachgeschoben, so hin und weg war ich von der aufregenden wie sinnstiftenden Kunst des Genusses. Und auch heute noch bilden Schnippeln, Köcheln und Sautieren den gelungenen Abschluss meines Tages. Ang Lee hatte recht: „Trank und Speise und der Liebesgenuss, darin bestehen die wichtigsten Triebe der Menschen.“

Seither koche ich, wann immer es die Zeit erlaubt, was Jahreszeit und Landschaft gerade hergeben. Und also momentan – ich befinde mich in Schreibklausur mitten im Kuhglocken-Gebimmel-Mariazellerland – viel Knackiges und Frisches aus Wald und Wiese. Da tummeln sich Löwenzahnblätter, Gänseblümchen und ein pochiertes Ei vom Nachbarhuhn in einer bitter-süßen Kräutervinaigrette auf meinem Teller. Oder frittierte Holunderblüten auf Joghurt-Waldbeeren-Mus. Oder schwer verdienter Brennnesselspinat (ein paar Pusteln und Rötungen sind trotz Ernte-Handschuh unvermeidlich) mit gehackten Walnüssen. Oder duftende Pfingstrosenbutter. Dazwischen wird natürlich auch mal ganz profan der lokale Supermarkt geplündert, was dann gegrillten grünen Spargel mit Hüttenkäse oder eine herrlich reife Burrata mit Paradeisern und wildem Oregano zur Folge hat. Eigentlich ein Wunder, dass ich noch zum Arbeiten komme, aber ganz ehrlich, so lange dauert das alles nicht. Und die Freude, die man beim Zubereiten und lustvollen Anrichten empfindet, ist unbezahlbar und ein halbes Lebensstündchen allemal wert.

Wer noch nach Inspirationen sucht, könnte einfach mal den Netflix-Meisterköchen von „Chef´s Table“ über die Schultern schauen. Was mich heute übrigens noch zum Moos- und Weinbergschnecken-Sammeln bringen könnte… Oder sich durch ein paar Kochbuchklassiker schmökern (besonders hilfreich: „Die große Schule des Kochens“ von Anne Willan mit einfach erklärten Techniken und exzellenter Warenkunde). Oder sich an die unglaublich geniale Kerbelsuppe des Paul Bocuse wagen. Oder, gemeinsam mit Kräuterpädagogin Katharina Helmreich, durch den Wiener Prater flanieren und staunen, was dieser gewürztechnisch so alles hergibt.

Jetzt bloß kein Muffensausen. Schließlich ist noch kein Hobbykoch vom Himmel gefallen. Und das allerwichtigste am Kochen und Genießen ist ja, es gemeinsam oder für Freunde zu veranstalten. Gutes Essen und Trinken bringt die Menschen zusammen, hebt die Laune, macht Spaß, lässt einen die Alltagssorgen vergessen und sorgt für unglaublich schöne, meditative, bereichernde und kreative Momente. Und dafür braucht es bestimmt keine Kochpinzetten, Le Creuset Casseroles oder anderen Haute-Cuisine-Schnickschnack. Ein einfacher Topf, ein Bund Gemüse, eine Handvoll selbstgezogener Tomaten vom Fenstersims und etwas Zeit reichen ganz wunderbar. Manchmal muss man sogar nur eine Dose mit Superfruits öffnen 😉 Also, women, men: let´s eat, drink & celebrate!

Ich bin Daniela Emminger, hauptberuflich Schriftstellerin und nebenberuflich leidenschaftliche Hobby-Köchin. Bei mir stehen demnächst wieder kirgisische Schafskopfaugen und Lammeintopf auf dem Tisch (nicht gerade meine Leibspeisen 😉 Was kredenzt Du uns heute? Das schönste Rezept (in Wort und/oder Bild) wird mit einem Gutschein für eine Kräuterwanderung belohnt. Gutes Essen & Trinken ist all i (we) need.

daniela.emminger@allineed.at oder office@allineed.at

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