Time is honey - all i need. Deutschland
Time is honey Ein Meter Zeit.
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Tick, tack. Im Zuge einer recht plakativen Übung aus dem Bereich des Persönlichkeitstrainings greift man zu einem 1-Meter-Maßband aus Papier und reißt es an der Stelle ab, die dem derzeitigen Lebensalter entspricht. 35 Zentimeter = 35 Jahre. Das zeigt unmittelbar, wo wir stehen im Leben. Und wie viel Zeit uns im Durchschnitt noch bleibt. Das mag aufs erste banal klingen, hat aber eine recht anschauliche und alarmierende Wirkung – wird die (eigene) Vergänglichkeit doch unmittelbar sicht- und spürbar.

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Die Zeit kann einem mitunter nämlich ganz schön zusetzen. Und das nicht nur mit ersten Fältchen im Gesicht sondern vor allem mit der Bilanz bislang ungelebter Träume und nicht realisierter Pläne. Mir geht es zumindest so. Ich habe im letzten Jahr so viel gearbeitet wie überhaupt noch nie, fast keine freien Tage gehabt und mich, was die Nutzung der Lebenszeit betrifft, ziemlich ausgebeutet und unter Druck gesetzt. Der Job, die Bücher, Friends & Family, die sonstigen Verpflichtungen…

Da gilt es sich dazwischen schon immer wieder mal zu fragen: „Wichtig oder nichtig?“ und zu reflektieren, ob diese Art von Dauerhetze und Pflichterfüllung das ist, was wirklich zählt im Leben. Oder ob es an der Zeit ist, auch mal wieder innezuhalten, einfach stillzusitzen und dem wohlverdienten Müßiggang zu frönen. Denn der ist in unserer Leistungs- und Zeitdruck-Gesellschaft mit all ihren Fristen und Deadlines weit wichtiger als man glaubt.

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Erst kürzlich habe ich in einer Zeitungsredaktion eine Wandnotiz entdeckt: „Kreativität lässt sich nicht verbrauchen. Je mehr man sie nutzt, desto mehr hat man.“ Ich glaube, mit der Zeit verhält es sich ähnlich. Je bewusster wir sie nutzen, desto intensiver, sinnstiftender und erfüllender tickt sie. Je achtsamer und bewusster wir mit ihr umgehen, umso schönere Momente, Stunden und Lebenskapitel kommen dabei heraus. Die Zeit gilt es zu nutzen, zu verschenken und zu teilen (mit Menschen, die man mag), denn kaufen, sparen oder konservieren kann man sie ganz sicher nicht.

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Einer, der das zweifelsohne gut verstanden hat, ist Jon Kabat-Zinn, der in seinen Meditationsbüchern kurze Übungen und Praxis-Beispiele anführt, mit denen sich (Zeit)Bewusstsein und Achtsamkeit easy und unkompliziert zwischen Morgenkaffee, Arbeitsterminen und Feierabend anwenden lassen. Denn bei all den Lebensherausforderungen gefühlstechnisch in Balance und bei sich zu bleiben und neue Power zu tanken, hat wenig mit Esoterik oder dem derzeit leider oft recht oberflächlich gehypten Meditations- und Yoga-Zirkus zu tun, sondern vielmehr mit intelligentem, kontinuierlich praktiziertem Egoismus. Wir alle brauchen Auszeiten, Ruhe und Zeit für unsere Gedanken- und Gefühlswelt, damit wir liebenswerte Menschen sein können.

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Und so habe ich mir die Zeit in letzter Zeit verstärkt zu Herzen genommen, bin an Sonn- und Feiertagen morgens allein durch die fast leere Stadt spaziert, um mich wie Pipi Langstrumpf als „Sachensucherin“ zu betätigen, denn Gehsteige sind eine wahre Fundgrube für Augenzwinker-Botschaften und Zeitgeist-Fragmente. (Von einem „Du kannst mich mal“-Zettel über einen roten Herzerl-Knopf bis zu einer verwelkten Rose war alles dabei.)

Ich habe Kräuter und Blumen eingetopft und mich am Geruch von frischem Oregano an den Fingern erfreut, einen langen Brief an eine längst verschollene Freundin geschrieben, einen Vormittag lang im Bett Die Zeit gelesen, auf dem Stadtwanderweg 8 frischen Bärlauch, Waldmeister und einen kleinen Maiglöckchen-Strauß gepflückt, einen Abstecher ins Uhrenmuseum gemacht, die Faultieren beim Kopfüberhängen in Schönbrunn beobachtet und endlich wieder einmal für meine Freunde gekocht. Das alles ist Zeit.

Und Leben. Und Gegenwart. Es gibt so viel zu sehen. Und es gibt so viel zu tun. Lasst uns loslegen!

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Ich bin Daniela Emminger, hauptberuflich Schriftstellerin und neuerdings bekennende Zeitdiebin. Schreib uns, wie, wann und wo Time für Dich zum Honey wird. Der schönste Beitrag (in Wort und/oder Bild) wird dieses Mal mit einem Schmuckstein der Künstlerin Ines Hofbaur belohnt. Ein bisschen Zeit – ist all i (we) need.

daniela.emminger@allineed.at oder office@allineed.at

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