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Ringelnatzratzfatz Lust auf lustig?
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Erwachsensein ist manchmal echt anstrengend. Also das trostlose Alles-auf-die-Reihe-Bringen, Konzentriert-Sein und Regeln-Einhalten-Müssen. Da wird der Alltag schnell einmal grau und unlustig, aber das muss nicht so sein. Dagegen sind nämlich ein paar Kräuter gewachsen. Eins davon heißt Kindischsein und ist aus meiner Sicht sowieso völlig zu Unrecht verpönt und viel zu negativ besetzt, denn was gibt es Schöneres auf der Welt als unbekümmert, quietschfidel und pfützenspringend durchs Leben zu hüpfen?

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Das Gute daran: lustig wird man – ganz automatisch – beim Lustigsein. Ich hab es selber ausprobiert, als letztens wieder mal ungefragt ein Stapel Pfui-Rechnungen, Pipifax-Behördenkram und andere Unleidlichkeiten in meinen Briefkasten geflattert kamen. Zuerst ging es festentschlossen und laut „Nicht mit mir, Freunde!“ jauchzend auf die Straße, dann, statt an die Arbeit, direttissima ins Pratermuseum zum Heiratsautomaten und den keulenschwingenden Kringelsocken-Ringern, weiter in den Zirkus samt ausgewachsenem Zuckerwattenflash und amüsanter Brumselakrobatik. Und weil das immer noch nicht reichte, auch noch zur schrullig-schrägen Mikrotheater-Vorführung im Naturhistorischen Museum und zum Lilarum-Puppen-„König-in-der-Kiste“-Stück. Letzteres war mit dem Altersprädikat +5 Jahre versehen, was immer ein untrügliches Indiz für kindisches Vergnügen vom Allerfeinsten ist. Alles in allem, der reinste Wohltat-Nachmittag, nachdem es sich bestens gestärkt und lustvoll aufgeladen wieder ins Erwachsenendasein zurückkehren lässt.

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Ein Meister im Kindischsein war übrigens auch der 1934 verstorbene Schriftsteller und Gedichts-Maestro Joachim Ringelnatz, der vielleicht auch deshalb zum Vergnügen-Verbreiter mutierte, weil er selbst nur wenig Vergnügen hatte. Der von Geburt an mit Vogelnase und gedrungener Statur Peingeplagte, flüchtete sich aufgrund vieler Hänseleien schon zu Schulzeiten ins Schreiben, zeigte es den „Dunkelmenschen“ auf seine Weise und stürzte sich, das Leid kompensierend, in eine Reihe spannender Dschungel-, Seemanns- und Liebesabenteuer. Das erklärt einiges. Vor allem seine unglaublich intelligenten, lustigen und – hurra! – kindischen Reimkonstrukte, die, selbst wenn man es nicht so hat mit den Versformen, zu Ohrenwackeln mit Schmunzeln führen.

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Here we go! „Wenn man das zierlichste Näschen / Von seiner liebsten Braut / Durch ein Vergrößerungsgläschen / Näher beschaut, / Dann zeigen sich haarige Berge, /Dass einem graut.“ Oder: „Ich habe dich so lieb! / Ich würde dir ohne Bedenken / Eine Kachel aus meinem Ofen / Schenken.[…] Ich lache. / Die Löcher sind die Hauptsache / An einem Sieb. / Ich habe dich so lieb.“ (Vielleicht ja ganz passend zum Aufreißen an der Bar). Und hier noch was zum Aufwachen: „Ich bin so knallvergnügt erwacht. / Ich klatsche meine Hüften. / Das Wasser lockt. Die Seife lacht. / Es dürstet mich nach Lüften. […] Aus meiner tiefsten Seele zieht / Mit Nasenflügelbeben / Ein ungeheurer Appetit / Nach Frühstück und nach Leben.“ In diesem Sinne: Ringelnatz in die Hosentasche und ratzfatz rein ins Vergnügen!

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Ich bin Daniela Emminger, hauptberuflich Schriftstellerin und nebenberuflich (zum Glück!) immer noch nicht erwachsen. Schreib uns, wie, wann, warum Du kindisch bist und was Dein albernstes Vergnügen ist. Der schönste Beitrag (in Wort und/oder Bild) wird gepostet und dieses Mal mit dem Pocket-Büchlein „Ringelnatz zum Vergnügen“ belohnt. Das Kind in uns ist all i (we) need.

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daniela.emminger@allineed.at oder office@allineed.at

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