Auf, auf, ihr Hasen! - all i need. Schweiz
Auf, auf, ihr Hasen! Denksport und Achselschweiß - eine Ode ans Laufen.
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Ode ans Laufen (und an Thomas Bernhard).

Es hilft ja nichts. Spätestens mit fünfunddreißig realisiert man, dass die Schwerkraft ein Luder ist und man nur diesen einen Körper hat, mit dem man Schindluder treibt oder eben nicht. Und weil passive Sargnagel-Fitness, Claudia Schiffer-Videos und Muckibuden in meinem Fall nicht wirklich funktionieren wollen, heißt es regelmäßig nach Alternativen Ausschau halten: beim Aquajoggen hat mich die rote Badehose des Trainers zu sehr abgelenkt, Fitness-Boxen ist super, aber eben auch super-anstrengend – so sehr, dass sich die Arme nicht einmal mehr auf BH-Verschlusshöhe heben lassen, und beim Radfahren, Schwimmen, Cross-Fitten und Glam-Yoga will sich irgendwie nicht so recht die Motivation vorstellig machen.

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Dass ausgerechnet Thomas Bernhard meinen Schweinehund überlistet hat, ist freilich bemerkenswert. Denn für Sport war der dauertschickende Geistig-Fitte ja nicht gerade bekannt. Und doch war es seine Definition von Gehen, die mich dazu bewegt hat, einen (immer schnelleren) Schritt vor den andern zu setzen: „Es ist ein ständiges zwischen allen Möglichkeiten eines menschlichen Kopfes Denken und zwischen allen Möglichkeiten eines menschlichen Hirns Empfinden und zwischen allen Möglichkeiten eines menschlichen Charakters Hin- und Hergezogenwerden.“ So hat das mit der Laufliebe also angefangen.

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Das Schöne daran: Joggen kann man überall. Auf einer Laufbahn in Bishkek, beim Elternbesuch in der Pampa, auf der Lesereise entlang von Muhr, Inn und Salzach und natürlich dieser Tage auch in und um Wien. Einfach Schuhe anziehen und den ersten Schritt machen und schon ist man – situationselastisch, adrenalingeputscht und kopfundherzerwärmt – mitten drin im Hirnkastllüften, Gedankenabschütteln und Sichselbstüberholen.

Das ist natürlich manchmal ernüchternd und geradezu unmenschlich anstrengend (besonders wenn ein ordentlicher Kater in einem schnurrt), kann sich aber durchaus auch lustig gestalten. So wie heute, wo das Tracken einer kindischen Busen-Route im Schlosspark Schönbrunn schlagartig meine Laune hob und zwei Superlieder dabei halfen, im Sauseschritt die Gloriette zu bezwingen. Das erste war „Hallo“ von Krixi Kraxi und die Kroxn, das zweite: „Sie mögen sich“ von Shaban & Käptn Peng. Und soviel ist sicher – erst mal oben angekommen und über Wien blickend ist die Harmonie zwischen Denken, Empfinden und Charakter wieder hergestellt.

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Wer jetzt immer noch auf dem Sofa sitzt, könnte sich zumindest zu einem sportlichen Spaziergang aufraffen. Und zwar zum Simmeringer Friedhofsareal, Abteilung 7, Ring 3, Gruppe 11, Nummer 182. Dort liegt in einem feinen Wiesengrab die leider 2012 verstorbene, großartig-schrullige Radio-„Vorturnerin der Nation“ – Ilse Buck – die von 1965–1998 jeden Morgen ganz Österreich mit ihren isometrischen Übungen auf Zack gebracht hat.

Und die hätte es uns ganz sicher nicht durchgehen lassen, (hirn)akrobatiklos durchs Leben zu gehen. Denn egal wie, wann und wo man die Gedanken und Muskeln stählt und sich der Schön-, Schlank- und Ausgeglichenheit entgegenschwitzt: nach dem Workout geht es einem IMMER besser als davor. Ehrenwort.

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Ich bin Daniela Emminger und laufe damit ich denken kann. Schreib uns, was Dich gedanklich und körperlich fit und geschmeidig hält. Der schönste Beitrag (in Wort und/oder Bild) wird gepostet und dieses Mal mit einem Paar Sportsocken und dem Buch „Gehen“ von Thomas Bernhard belohnt. In Bewegung bleiben ist all i (we) need.

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daniela.emminger@allineed.at oder office@allineed.at

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